Nix als die Wahrheit

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Auch in diesem Programm bleibt sich Wendelin Haverkamp treu. Keine Kulissen, Kontainer und Kostüme: Ein kleiner Tisch, darauf die schwarze Decke, dahinter ein Holzstuhl einfach; einfach nix als die Wahrheit, schwarz auf weiß. Und wer kennt ihn nicht, den spannenden Moment, wenn es zum Schwur kam, meist schwarz in weiß: Der Kino-Richter blickt den Zeugen tief ins Auge, Marlene D. nimmt Gift, Alfred H. eine Zigarre, Edward G. den Hut ab, und schon kommt sie raus: Nix als die Wahrheit? Ja wenn das so ist.

Gegenstand satirischer Verhandlung: Wer ist schuld an der pestilenzartigen Ausbreitung der neuen Dummheit? Der Lärm? Ist Krach im Kopp verantwortlich für die Konzentrationsstörungen des Kontinents, die ganz normale öffentliche Hysterie, die jeden vernünftigen Gedanken sofort und live mit hoher Gagdichte und Lachkrampf-Garantie und wenn das nicht hilft mit einer hohen Dosis Christiansen keimfrei abtötet?

Oder sind doch die deutschen Haltungsschäden Kern des Übels, und das nicht nur in der B-Note: „Junge halt dich gerade!“ Wie recht hatte Oma. Obwohl sich auch der Spanier bei Bedarf ganz schön gerade hält, oder der Finne – gerade der Finne!

„Nix als die Wahrheit“ – das kann ja heiter werden. Wird es auch: Spielerisch leicht hingeplaudert, mit Humor und Witz, wie aus dem Moment heraus erfunden, mit diebischer Freude am Sprachspiel; dann plötzlich dicht, packend, pointiert, persönlich, auf den Punkt geschriebene Satire. Nicht zu vergessen Gedichte und Lieder, zur Gitarre mit großer Musikalität vorgetragen.

Zurecht gilt Haverkamp als Kabarettist mit philosophischen und poetischen Qualitäten – als unnachsichtiger, aber nie unversöhnlicher Beobachter der Zeit. So sitzt er da und schlägt mit beschwörenden Worten Funken aus seinen Manuskriptblättern wie ein alter Indianer, der aus trockenem Reisig Feuer macht.

Das Unverwechselbare an Wendelin Haverkamp ist, daß ihm diese seltene, besondere Mischung gelingt: Sprachlich anspruchsvolles Kabarett zum Zuhören, das nie die Leichtigkeit verliert und dadurch höchsten Unterhaltungswert hat.Und natürlich stets dabei: Geschichten vom berühmtesten Edukator der Jetzt-Zeit. Denn er ist „still alive and well“: Anton Hinlegen.

Das Programmfaltblatt als PDF-Datei zum runterladen: „Nix als die Wahrheit“ – Faltblatt (2,0MB)